Erziehung

Das Auflösesignal

Auflösesignal? Was soll das sein? Ein Trick, bei dem es so aussieht, als würde der Hund sich in Luft auflösen? Für Hundehalter, die sich intensiv mit Hundeerziehung auseinandersetzen, klingt das absolut lächerlich. Meiner Erfahrung nach, hat der Großteil der Hundehalter da draußen allerdings keinen Plan, was damit gemeint sein könnte. Immer wieder sieht man Hundehalter, die mit ihren Hunden die kuriosesten Erziehungsmaßnahmen umsetzen.. oder solche, die sich rein gar nicht dafür interessieren. Da wird beiläufig mal „Sitz“ gesagt, wenn der Hund am Tisch unruhig wird, der Hund sitzt eine Sekunde und macht dann einfach wieder was er will. Und genau diese Leute würden ganz sicher so reagieren, wenn ich sie fragen würde, ob sie ein Auflösesignal nutzen ;-)

Was bringt mir das Auflösesignal?

Das Auflösesignal dient dazu, ein vorheriges Signal oder eine vorherige Handlung aufzulösen und den Hund damit wieder freizugeben. Bekommt der Hund das Kommando „Sitz“, darf er erst wieder aufstehen, wenn das Auflösesignal erfolgt. Bereitet ihr dem Hund sein Futter zu und stellt ihm den Napf vor die Nase, dann darf er erst mit Auflösesignal an den Napf – man gibt also die Folgehandlung frei und er muss nicht länger brav warten. Man kann das Auflösesignal in vielen Situationen verwenden: Bevor der Hund die Straße überqueren darf, bevor der Hund nach dem Ableinen loslaufen darf, bevor der Hund den Ball holen darf, bevor der Hund durch die Haustür darf, bevor der Hund den Besuch begrüßen darf und und und… ihr merkt, das Signal ist wirklich vielseitig nutzbar und hilfreich, hängt aber auch stark mit Impulskontrolle zusammen. Der Hund muss lernen, sich zu beherrschen und abzuwarten, bevor er etwas anderes darf. Und das ist für viele Hunde gar nicht so einfach, denn Impulse kommen einfach. Man kann sie nicht von jetzt auf gleich abstellen. Daher kann es bei vielen Hunden einige Zeit dauern, bis sie schrittweise gelernt haben, ihren Impuls zu unterdrücken und geduldig abzuwarten bis das Auflösesignal kommt.

Welches Kommando nehme ich dafür?

Es gibt viele verschiedene Ansätze, dem Hund ein Auflösesignal beizubringen. Aber egal welche Methode ihr wählt, ihr müsst euch erstmal überlegen, welches Kommando ihr dafür nutzen wollt. Viele nehmen „Ok“ als Auflösesignal, so haben wir es damals in der Hundeschule auch gelernt. Ich würde allerdings empfehlen, ein „ungewöhnlicheres“ Wort zu benutzen. Das mag vielleicht komisch klingen, aber es kann sein, dass es dadurch besser funktioniert. „Ok“ ist ein Begriff, den wir im Alltag ohnehin schon recht häufig nutzen. Wenn man das nun als Kommando nimmt und es häufig nutzt, ohne den Hund damit zu meinen, dann versteht eure Fellnase eventuell nicht mehr, wann sie damit gemeint ist und wann nicht. Das kann dazu führen, dass sie dem Begriff nach einiger Zeit keine Bedeutung mehr zuspricht und nicht auf das Kommando reagiert. Bei uns klappt es noch sehr gut, aber falls Emma irgendwann nicht mehr darauf reagieren sollte, werden wir uns auch ein anderes Kommando dafür überlegen müssen und neu antrainieren. Um das zu vermeiden, würde ich euch also raten, von Anfang an ein Kommando zu wählen, dass ihr im Alltag nicht zu oft nutzt oder alternativ das Wort mit einer signifikanten Betonung zu nutzen, sodass der Hund darüber unterscheiden kann.

Wie trainiere ich das Auflösesignal?

In vielen Hundeschulen trainiert man das Auflösesignal mit einer ganz klassischen Übung: Ihr sitzt eurem Hund gegenüber, haltet eure Hand offen vor ihm und legt ein Leckerchen hinein. Will der Hund nun nach dem Leckerchen greifen, bildet ihr eine Faust und verschließt damit das Leckerchen. Euer Hund wird euch vermutlich erstmal verwirrt anschauen und an der Faust schnuppern. Sobald der Hund nun von der Faust ablässt und euch anschaut, öffnet ihr die Hand und reicht ihm das Leckerchen. Das wiederholt ihr am besten einige Male. Viele Hunde begreifen recht schnell, dass sie es bekommen, wenn sie von der Hand ablassen und euch anschauen. Falls es gut klappt, könnt ihr nun mit dem Anbieten des Leckerchen das Kommando nennen. Falls es noch nicht gut klappt (was nicht schlimm ist!!), solltet ihr erstmal ohne Kommando üben und das Training beenden, sobald es einmal – zumindest ansatzweise – geklappt hat. Denn Training soll ja immer positiv beendet werden! ;-) Dann übt ihr das ganze einfach nach ein paar Stunden oder am nächsten Tag nochmal. Solange bis es klappt und der Vierbeiner geduldig Blickkontakt aufnimmt statt an der Faust zu knabbern.

Kleiner Tipp am Rande: Die Übung kann man auch wunderbar mit einem Abbruchsignal wie „Nein“ kombinieren. Wenn der Hund das Leckerchen nehmen will und ihr die Hand zur Faust macht, baut ihr das Abbruchkommando ein. So lernt der Hund „Nein“ bedeutet, dass er es nicht darf, „Ok“ (oder was auch immer) bedeutet, dass er es darf.

Schwierigkeitsgrad und Kontext verändern

Jetzt könnt ihr nach und nach einen Schritt weitergehen und das Signal in unterschiedlichen Situationen und Umgebungen üben. Wichtig ist hierbei wieder: Lieber zu kleinschrittig arbeiten, als mit zu großen Sprüngen überfordern! Gebt das Leckerchen auf der Hand draußen, unterwegs oder in verschiedenen Räumen im Haus. Hauptsache der Hund lernt das Signal in verschiedenen Kontexten. Wenn das mit dem Leckerchen in der Hand einwandfrei funktioniert, könnt ihr es mal auf den Boden legen oder mal zur Seite werfen und es erst auf Kommando freigeben. Sitzt das Grundtraining, also weiß der Hund was das Kommando bedeutet, dann könnt ihr zeitgleich auch anfangen es mit anderen Übungen zu trainieren. Wenn der Hund an sein Futternapf möchte, haltet ihr ihn einfach sachte zurück, wartet auf Blickkontakt, sagt euer Signalwort und gebt das Futter damit frei. Gleiches gilt für das Überqueren der Straße, das Auflösen von Sitz/Platz oder das Betreten eines bestimmten Raumes.

Alternative Trainingsmethoden

Das mit dem Leckerchen in der Hand ist nur eine Möglichkeit, das Kommando zu konditionieren. Man kann es auch durch das Aufstehen nach einem Sitz oder mit dem Futternapf üben. Wichtig ist, dass ihr es ganz kleinschrittig auftrainiert, denn der Hund weiß am Anfang nicht, was ihr von ihm wollt. Die Übung mit dem Leckerchen empfehle ich euch, weil ihr das Training dabei in viele kleine Einzelschritte unterteilen könnt und das Kommando erstmal ohne Signal aufbauen könnt – so, wie es sich für Konditionierung gehört! ;-)
Viele trainieren für unterschiedliche Situationen auch unterschiedliche Abbruchsignale. Beim Futter gibt es dann zum Beispiel ein „Nimm“, beim Weitergehen nach einem Stopp oder Sitz kommt ein „Weiter“ und beim Warten vor der geöffneten Tür gibt es ein „Du darfst“ oder Ähnliches. Das müsst ihr für euch selbst entscheiden! Wenn ihr euch mit unterschiedlichen Kommandos wohler fühlt, dann ist das vollkommen in Ordnung. Wenn ihr meint, euer Hund versteht ein Kommando auch in unterschiedlichen Situationen, dann bleibt bei einem Kommando. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Denkt immer dran: Ihr allein entscheidet, wie ihr euren Hund trainieren wollt.

Ich wünsche euch viel Spaß und Erfolg beim Trainieren!

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