Erziehung

Leinenführigkeit durch duales Feedback

Leinenführigkeit ist sicherlich für niemanden ein leichtes Thema. Auch bei Emma hat es lange gedauert bis wir einigermaßen zufrieden waren. Und das ist auch vollkommen normal! Mal klappt es besser, mal wieder schlechter. Gerade bei Junghunden kann das manchmal ganz schön viele Nerven kosten und trotzdem ist die Leinenführigkeit im Zusammenleben mit dem Hund enorm wichtig.

Eine schlechte Leinenführigkeit kann zu vielen Problemen führen - seien es Leinenaggressionen, Schulterschmerzen oder auch mangelnde Motivation überhaupt mit dem Hund spazieren zu gehen. Wie man Leinenführigkeit dabei definiert, muss jedes Mensch-Hund-Team selbst entscheiden. Für die einen bedeutet es, dass der Hund durchgehend neben einem läuft und für die anderen ist nur wichtig, dass die Leine locker bleibt. Bei der Zieldefinition im Leinenführigkeitstraining sollte man daher nicht auf andere schauen, sondern überlegen, was für das eigene Mensch-Hund-Team die ideale Leinenführigkeit ausmacht.

Unsere bisherige Definition von Leinenführigkeit

Die Spaziergänge waren damals oft ziemlich kurz, ständig blieb man stehen, wechselte die Richtung und trainierte und trainierte.. Es hat bestimmt ein Jahr gedauert bis wir die Leinenführigkeit soweit im Griff hatten, dass wir entspannt mit Emma spazieren gehen konnten. Leinenführigkeit definierten wir so, dass Emma um uns herum laufen kann wo sie möchte, solange die Leine locker bleibt. Da wir damals auf dem Land gewohnt haben, reichte das auch vollkommen aus. Wenn man dazu noch ein Kommando hat, bei dem der Hund "bei Fuß" läuft, kommt man gut klar.

Neue Zieldefinition

Jetzt, wo wir in die Stadt gezogen sind, merke ich, dass es an einigen Stellen stört, wenn Emma vor mir läuft. Ganz unabhängig davon, ob die Leine gespannt oder locker ist. Viele Wege und Straßenecken sind nicht gut einsehbar und da ist es einfach sicherer, wenn Emma nicht vorweg läuft. Deswegen habe ich damit angefangen ihr beizubringen, dass sie sich links, rechts oder hinter mir in dem Leinenradius bewegen darf, aber eben nicht vorlaufen darf. Genau gesagt: Sie soll mit ihren Hinterläufen immer hinter einer imaginären Linie auf Höhe meines Körpers bleiben.

Methoden zum Trainieren der Leinenführigkeit

Es gibt im Hundetraining unzählige Methoden und Übungen, um die Leinenführigkeit zu trainieren. Von Orientierungstraining über das klassische Umdrehen und Stehenbleiben bis hin zum Einsatz von Strafen zum Beispiel in Form von Leinenrucks. Da Emma sich grundsätzlich gut an mir orientiert, ich nicht mit Strafen arbeiten möchte und bei dem klassischen Richtungswechsel die Gefahr besteht, dass sie nicht genau differenzieren kann was ich korrigiere, habe ich mich für die Methode des dualen Feedbacks entschieden.

Grundlagen zum dualen Feedback

Beim dualen Feedback gibt man dem Hund durchgehend Rückmeldungen zu seinem Verhalten. Das sind sowohl positive als auch negative Feedbacks, dabei sollte aber ein Verhältnis von 7:1 bestehen - für 1x negatives Feedback also 7x positive Bestätigung. Das Feedback wird beständig während der ganzen Übung gegeben. Man quasselt also die ganze Zeit auf den Hund ein. Der Hund weiß dadurch ganz genau, dass er gerade etwas richtig macht und merkt sofort den Wechsel auf negative Rückmeldung, sobald er ein unerwünschtes Verhalten zeigt.

Anwendung des dualen Feedbacks bei der Leinenführigkeit

Für unsere neue Definition der Leinenführigkeit trainiere ich nach der Methode des dualen Feedbacks so, dass ich Emma durchgehend  lobe, wenn sie neben mir oder hinter mir läuft. Das kann dann so aussehen: "Fein, super, prima machst du das, ganz klasse, spitze, gutes Mädchen....". Wichtig ist dabei, dass man nicht das Markerwort benutzt. Sobald sie die gedachte Linie auf Höhe meines Körpers mit ihren Hinterläufen überquert, switche ich in der Stimmung und gebe ich durch ein "Nein", "Nää", "Äh Äh", "Nönö" oder Ähnlichem den Hinweis, dass genau das Verhalten gerade nicht erwünscht ist.

Die Methode ist im ersten Moment gewöhnungsbedürftig, denn man quasselt den Hund die ganze Zeit voll. Aber ich habe selbst gemerkt, dass sie unglaublich schnell funktioniert. Emma wusste bereits nach einigen Metern, was erwünscht ist und was nicht. Damit ist es aber natürlich nicht getan. Wir üben das momentan auf fast jedem Spaziergang und besonders zu Beginn fällt Emma gerne mal in die alten Muster zurück - ist ja auch verständlich, immerhin sind wir jahrelang so an der Leine gegangen. Trotzdem geht die Zahl der negativen Feedbacks schnell und deutlich zurück. Ich muss mittlerweile meist nur einen kurzen, negativ gestimmten Ton von mir geben und schon korrigiert sie sich selbst.

Training und Alltag unterscheiden

Bei dieser Methode macht es aus meiner Sicht Sinn, Training und Alltag zu differenzieren. Das könnte so aussehen, dass man immer das duale Feedback anwendet, sobald die Leine am Halsband befestigt ist. Der Hund trägt dann zusätzlich ein Geschirr, an dem die Leine befestigt wird, wenn man gerade nicht trainieren kann oder will. Hunde erkennen den Unterschied und können das in der Regel sehr gut differenzieren. So kann man das Training auf bestimmte Abschnitte des Spaziergangs begrenzen und muss auch selbst nicht durchgehend konzentriert bleiben. Das Wichtigste ist hierbei: Durchhalten und konsequent sein!

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