Hundealltag

Leine - Fluch oder Segen?

Stellt euch vor, ihr seid auf einem Feldweg unterwegs und der Hund kann entspannt ohne Leine umher schlendern. Ihr hattet einen stressigen Tag und wollt einfach mal abschalten. Aber der Feldweg geht ein kurzes Stück durch eine Siedlung, in der zu der Zeit relativ viele Autos fahren. Wuffi muss also wohl oder übel an die Leine. Und wie ist eure Stimmung in dem Moment? Viele Hundehalter sind genervt, wenn die Leine zum Einsatz kommt. Maulend wird Wuffi hergerufen, zack, Leine dran und schon fängt er an zu ziehen. Hier schnüffeln, da schnüffeln. Die Falten auf der Stirn des Frauchens werden immer tiefer. Ich sag euch eins: So kann das auch nichts werden!
 
Entscheidend im Leinenführigkeitstraining ist neben der richtigen Methode, der punktgenauen Korrektur und der Konsequenz eben auch die Einstellung zur Leine. So banal das auch klingen mag. Ist man selbst super genervt, sobald die Leine benötigt wird, überträgt sich das auch auf den Hund. Und wozu führt das? Richtig! Wuffi hat kein Bock auf die Leine und startet ein Ausweichmanöver, sobald Frauchen auch nur versucht, ihn an anzuleinen. Und dann haste den Salat.
 
Berner Sennenhund an der Leine beim Spaziergang

Unsere drei Spaziergangs-Modi

Aber keine Sorge, das kann man ändern, denn auch an der Leine kann man Spaß haben. Und das ist wichtig, damit der Hund die Leine positiv verknüpft. Ich gebe zu, Emma ist bei uns mehr im Freilauf als an der Leine unterwegs. Einfach, weil wir viel auf dem Land unterwegs sind und die Leine nicht bei jedem Spaziergang gebraucht wird. Aber wenn wir sie nutzen, dann wird nicht nur gemeckert und es wird auch nicht nur straff „bei Fuß“ gelaufen. Im Grunde gibt es bei uns auf dem Spaziergang drei Modi, in denen wir laufen. Bei Fuß (an der Leine oder im Freilauf – völlig egal), an lockerer Leine oder völlig frei.
 
Das Kommando für „bei Fuß“ ist bei uns „hier“ und wird durch das Zeigen mit dem Zeigefinger als Sichtzeichen unterstützt. Dabei ist es bei uns nicht wichtig, ob sie mit der Schnauze direkt auf Kniehöhe ist und wie groß der Abstand zwischen uns ist. Natürlich sollte er nicht zu groß sein, aber ich will mit ihr weder eine Prüfung bestehen noch auf die Jagd oder Ähnliches gehen. Daher reicht es mir so vollkommen aus. Jeder sollte die Leinenführigkeit so trainieren, wie er sie im Alltag braucht. Ich halte nichts von Pauschalaussagen wie „Wenn der Hund bei Fuß läuft, MUSS er aber in diesem Winkel zur dir stehen oder jenen Abstand einhalten“. „Bei Fuß“ ist ja kein geschützter Begriff oder so, also setz dir hier ruhig deine eigenen Regeln!
 

Auf die Plätze, fertig, SCHNÜFFELN!

An lockerer Leine heißt bei uns, dass sie durchaus mal etwas vorlaufen, hinter uns laufen oder am Rand schnüffeln darf. Aber eben nur, solange die Leine locker ist. Das klappt zwar noch nicht immer perfekt und ist stark von der Situation und Umgebungsreizen abhängig, aber Übung macht ja bekanntlich den Meister. Nach nur einem Jahr muss noch nicht alles perfekt klappen. Den Druck sollte man sich gar nicht erst machen, denn Erziehung braucht einfach Zeit und Geduld.
Immer wieder beobachte ich Hundehalter, die „mit“ ihrem Hund spazieren gehen, aber der Hund darf weder schnüffeln, noch sein Tempo mal verändern. Er läuft die ganze Zeit schnurstracks neben seinem Besitzer her, der ihn währenddessen nicht einmal anschaut, lobt oder ihm überhaupt Aufmerksamkeit schenkt. Natürlich ist auch das Training und fördert die Disziplin und Konzentration des Hundes, aber für mich wäre das nichts. Ich finde es bewundernswert, wenn man den Hund so trainiert hat, dass er einen ganzen Spaziergang, vielleicht sogar im Freilauf, strickt „bei Fuß“ läuft – komme was wolle. Aber Spaß hätte ich dann wohl keinen dabei.
 
Berner Sennenhund schnüffelt an der Leine
Ich liebe es, wenn Emma zufrieden umher stapft, Spaß hat und auf dem Spaziergang auch mal „Hund sein darf“. Für mich ist es daher völlig in Ordnung, wenn wir auch mal stehen bleiben und Emma kurz schnüffelt, bevor es dann mit dem Kommando „weiter“ genug ist. Insbesondere in reizvollen Umgebungen, die Emma vielleicht noch nicht so bekannt sind, hat sich das als äußerst hilfreich für uns bewiesen. Sie ist viel entspannter, wenn sie einige Stellen auch mal gründlich abschnüffeln darf und den Geruch intensiv verarbeiten kann. Hunde nehmen so viele Informationen über ihre Nase auf, dass ich es ihr gar nicht verbieten WILL, die Informationen auch mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich bleibe beim Spaziergang zwar auch nicht an jeder Mauer, jeder Laterne und jedem Pfeiler stehen, aber in regelmäßigen Abständen darf sie einfach mal kurz schnüffeln, um dann entspannt weiterzugehen.
Und das machen wir eben auch an der Leine. So merkt Emma, dass Leine nicht nur doof ist und sie nicht ausschließlich einschränkt, sondern dass sie auch an der Leine ihren Tätigkeiten als Hund nachgehen darf.
 

Absolutes No-GoERWÜNSCHT: Spielen an der Leine

Das ist aber nur eine Möglichkeit, die Leine positiver zu verknüpfen. Habt ihr schon mal an der Leine miteinander gespielt? Das ist Spaß pur, also warum sollten wir es verbieten?! Ihr könnt umherhüpfen, ein Wettrennen starten oder Nasenarbeit machen. Wichtig ist hierbei nur, dass der Hund bereits gelernt hat, nicht in die Leine zu beißen und die Leine trotzdem(!) immer locker bleibt. Findet der Hund die Leine extrem doof, dann könnte man mal probieren, bei den nächsten Spaziergängen NUR noch an der Leine tolle Sachen zu machen. Im Freilauf wird nicht gespielt, keine Nasenarbeit, keine Action miteinander. Doch sobald der Hund an der Leine ist, werden Leckerlis am Wegrand versteckt, es wird gesprungen und gerannt und anschließend ausgiebig gekuschelt. Und das alles, während die Leine einfach so daneben hängt. Probiert es aus, so störend ist sie wirklich nicht!
 
Merk dir also: Leine ist nicht nur eine doofe Pflicht, sondern bedeutet auch Spaß! Die Leine gibt euch beiden Sicherheit, das sollte man immer im Hinterkopf behalten. Man nutzt sie nicht für andere oder weil es sich in der Stadt einfach so gehört. Man schützt sich und seinen Hund damit. Mit der richtigen Einstellung, klappt es dann vielleicht auch besser mit der Leinenführigkeit. Dazu gibt es aber nochmal einen Extra-Beitrag. ;-)
 

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