Hundealltag

Roll- statt Schleppleine – eine gute Alternative?

Die Flexi-Leine - man hasst sie oder man liebt sie. Meinungen dazwischen hört man selten. Auch wenn es für eine angehende Hundetrainerin ungewöhnlich erscheint: Ich mag unsere Flexi-Leine und nutze sie mit Emma zwar eher selten, aber in einigen, wenigen Situationen sehr gerne. Doch wie ihr euch sicher denken könnt, gibt es dabei ein großes ABER. Die Flexi-Leine ist aus meiner Sicht nicht für jeden das Richtige und auch ganz sicher keine Alternative zu einer vernünftigen Leinenführigkeit.

Unterschied zur Schleppleine

Eine lange Leine kann praktisch sein, wenn man den Hund absichern möchte. Aber ist es wirklich egal ob man dazu eine Rollleine oder eine Schleppleine nimmt? Nein, ist es nicht! Die Schlepp- und Rollleinen funktionieren auf unterschiedliche Art und Weisen. Die Schleppleine wird - bei richtiger Anwendung - durchgehend in Bewegung gehalten. Mit geübten Handgriffen wird entweder Leine dazu gegeben oder weggenommen. Die Hauptsache ist, dass sie nicht durchhängt, aber auch nicht stramm gespannt ist. Viele Hundehalter lassen den Hund die Leine einfach hinterherziehen, das ist aber gar nicht Sinn der Sache. Entgegen viele Behauptungen kommt der Begriff Schleppleine nicht von "hinterher schleppen", sondern von der "Schleppjagd". Eine Schleppe ist eine Geruchsspur, die Schleppleine somit eine Arbeitsleine. Die Rollleine ist dagegen auf Dauerspannung, denn genau das ist ihr Sinn. Man hat keine Arbeit damit, die Leine selbst ein- oder auszufahren und hat den Hund trotzdem (zumindest eingeschränkt) abgesichert.

Training vs. Alltag

Ich empfehle euch, bei der Nutzung der Leine zwischen zwei Situationen zu unterscheiden: Alltags- und Trainingssituationen.
Möchte man mit dem Hund den Rückruf, die Distanzkontrolle oder Leinenführigkeit trainieren, dann hat da aus meiner Sicht eine Flexi-Leine nichts zu suchen. Möchte man allerdings einfach spazieren gehen, den Hund laufen lassen, nach einem anstrengenden Tag abschalten und mal nicht an Training denken, dann finde ich eine Rollleine durchaus sinnvoll und angenehm. Wir nutzen sie hauptsächlich während Emmas Läufigkeit und in der Brut- und Setzzeit. Je nach Geschmack kann man dann natürlich auch eine Schleppleine "zweckentfremden" – also auf dem Boden hängen lassen – und sie nicht zum Training sondern einfach zum Absichern nutzen. In dem Fall kann es Sinn machen, verschiedene Schleppleinen für Training und Alltag zu nutzen. Ich persönlich finde es aber sehr nervig, immer aufzupassen nicht auf die Leine zu treten und zu kontrollieren, dass sie sich nicht verhakt. Deswegen ist meine Einstellung: Für's Training zur Schleppleine greifen und für einen entspannten Spaziergang ohne Training ist die Flexi-Leine unter bestimmten Voraussetzungen absolut in Ordnung.

Drei Voraussetzungen für die Nutzung der Flexi-Leine

Aus meiner Sicht gibt es drei wesentliche Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit die Flexi-Leine sinnvoll genutzt werden kann.

Erste Voraussetzung: Geschirr

Die goldene Regel ist das Geschirr. Man sollte eine Flexi-Leine niemals ohne Geschirr nutzen, da es sonst zu großen Schäden der Halswirbelsäule kommen. Nicht nur die Tatsache, dass ständig ein leichter Zug am Hals zu spüren ist, macht es mit Halsband unangenehm für den Hund. Durch die Länge der Leine – das gleiche gilt genauso für die Schleppleine – kann ein Hund außerdem viel höhere Geschwindigkeiten aufnehmen. Wenn (man) die Leine dann plötzlich stoppt, wirken hohe Kräfte punktuell auf die Halswirbelsäule. Beim Geschirr verteilen sich die Kräfte dagegen auf den gesamten Schulter- und Brustbereich und können deutlich sanfter und angenehmer abgefangen werden. Aus dem Grund ist ein Geschirr bei Flexi und Schleppleine Pflicht!

Zweite Voraussetzung: Unterscheidung zwischen Leinenführigkeit und Leinenspannung

Die zweite Voraussetzung ist die Unterscheidung zwischen Leinenführigkeit und Leinenspannung. Bei der Leinenführigkeit wollen wir dem Hund vermitteln, dass er die Leine nicht auf Spannung halten soll. Bei der Flexi-Leine ist sie allerdings durchgehend auf Spannung – das macht eine Rollleine ja aus. Daher empfehle ich euch dringend über beispielsweise verschiedene Haken am Geschirr zwischen zwei Modi zu wechseln: An dem einen Haken ist Spannung auf der Leine erlaubt, an dem anderen nicht. Die Rollleine darf dann nur an dem Haken befestigt werden, auf dem der Hund ziehen darf. Wir machen es so, dass Emma am hinteren Haken des Geschirrs ziehen darf, am Halsband dagegen nicht. Die Flexi-Leine kommt bei uns also ohne Ausnahme nur an diesen Geschirr-Haken. Keine Sorge: Auch wenn der Unterschied für euch nicht so groß erscheint, Hunde lernen kontextbezogen. Sie erkennen also den Unterschied zwischen den verschiedenen Befestigungsvarianten.

Dritte Voraussetzung: Sicherer Rückruf

Die dritte Voraussetzung ist der Rückruf. Ich bin der Meinung man sollte eine Rollleine nur benutzen, wenn der Rückruf schon funktioniert. Wenn man den Rückruf also noch aktiv trainiert, empfehle ich euch auf jeden Fall die Schleppleine zu benutzen.
Kurz zum Verständnis: Stellen wir uns mal vor der Hund ist am Ende einer 10 m Flexi-Leine, man läuft auf einem schmalen Weg und dann kommen einem drei freilaufende Hunde entgegen. Wenn ich meinen Hund jetzt nicht zurückrufen kann, wie bekomme ich ihn dann zu mir, wenn ich an der Flexi-Leine nicht die Möglichkeit habe ihn im Notfall zurückzuziehen? Das würde bedeuten, ich müsste die Leine Stück für Stück einholen, was in brenzligen Situationen schon viel zu lange dauern kann. Natürlich ist es auch bei der Schleppleine nicht Sinn der Sache, den Hund daran zu sich zurückzuziehen – keine Frage. Aber falls es aufgrund der Situation dringend nötig ist, ist das viel einfacher und schneller möglich als bei der Flexi-Leine. Beherrscht mein Hund allerdings den Rückruf, kann ich die Situation trotz Rollleine wunderbar meistern.

Ohne Geschirr, der Unterscheidung von Leinenspannung und Leinenführigkeit und dem funktionierenden Rückruf würde ich eine flexible Leine nicht empfehlen. Das ist auch der Grund, warum wir bei Emma erst nach ca. einem Jahr angefangen haben sie auf unseren Spaziergängen zwischendurch zu nutzen. Vorher wäre es das reinste Chaos gewesen und hätte sich ziemlich sicher negativ auf unser Training auswirken können.

Zusammengefasst also: Flexi-Leine ja, aber nur wenn man dabei einige Dinge beachtet und sie nicht als Trainingsersatz ansieht!

Wie steht ihr zur Flexi-Leine? Schreibt es gern in die Kommentare!

 

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